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König Truchses
Post by Metanoeite »
Schneeflocken fielen tänzelnd durch die dürren Äste der hohen Kiefern zu beiden Seiten des Weges. Man konnte die klirrende Kälte am ganzen Leibe spüren, vereinzelnd hörte man das knackende Geräusch von fallenden Zapfen, die auf den hart gefrorenen Weg fielen. Ansonsten umgab einen die unheimliche Stille des Waldes. Unzählige Jahre lang wütete der Winter schon in diesen Gefilden, hatte das meisten Leben vertilgt und nur wenige Geschöpfe vermochten in dieser kargen Gegend zu überleben. Vereinzelnd konnte man die alten Fährten von wildem Getier und grausigen Bestien erkennen, die zur weiten Ebene von Troch'choc führten
die südlich des grauen Waldes lag. Grauer Wald nannten ihn die hier lebenden Menschen, da der ewig währende Winter den Bäumen jede Farbe genommen hatte, und der Wald am Rande des Gebirges von den schwarzengrauen Fels im Norden umschlossen war. Es war zur späten Mittagszeit, die Sonne legte sich zum Horizont hin.

Große schwere Schatten warf sie und färbte die Ausläufer des Gebirges und die Verschneiten Ebenen in einen hellen orangeroten Ton.
Plötzlich wurde die Stille von einem hellen klingeln durchbrochen. Sieben Männer davon drei zu Pferd kamen den Weg entlang. Die Pferde hatten mehrere kleine Glöckchen an ihren Zaumzeug welche ein stettiges feines Klingeln erzeugten. Die Männer waren in schweren grauen und schwarzen Umhängen gekleidet.
Desweiteren trugen jeder von Ihnen ein feingeschmiedetes Kettenhemd über den dichten Fell- und Lederanzügen. An ihrer Seite trugen sie kostbar verzierte Einhänder, deren breite Klinge hell im späten Sonnenlicht glänzten. Die Truppe schien recht lange unterwegs gewesen zu sein, sie trugen lange Bärte und ihr langes Haar sah stark verfilzt aus. Plötzlich ergriff der vorderste Recke das Wort. Er hatte blondes Haar und braune aufmerksam wirkende Augen: "Freunde,
schon bald ereichen wir die heimischen Hallen. Lange ist es her das ich durch diese Gegend gewandert bin, und im Sommer beim Wendefest mit den schönsten Mädchen getanzt habe. Lange ist es her, doch mein Herz ist mit Schmerz erfüllt wenn ich an den Grund dieser Reise denke. Zwölf Sonnenaufgänge ist es nun schon her, das wir Ede'rochin in höchster Eile verlassen mussten. Es ist eine große Verantwortung die ich zu tragen gesandt wurde. Heute werden wir Cahbaet erreichen und heute werde ich das alte Scheusal vom Trohn stossen. Früher mag er seine Glanztage gehabt haben, als er das wilde Volk in das Gebirge trieb, und die Ebene Troch'choc vom Übel befreite. Doch schon bald nahm seine Machtgier überhand und er vernichtete unsere Väter und Brüder in seinem Wahn. Doch das war nicht genug er knechtete nicht nur die Bürger des "Mittelreiches", nein er vergriff sich auch an unserer Sippe. Doch heute so scheint es ist der Tag der Wende, ich hoffe nur das ich meine Aufgabe erfüllen werde." "Mit Sicherheit, Truchses, die Zeit ist gekommen." antwortete einer der Reiter.
So gelangten sie nach Sonnenuntergang an die Aussenwäle von Cahbaet. Die Stadt war auf einem einzelnen Fels errichtet, und es heißt das einst Titanen die Grundsteine erichteten, bevor sie von dieser Welt schwanden. Im Norden hin ergoss sich ein Fluss, der vom dunklen Gebirge über die Ebene führte, in das Tal und bildete an dem Felsvorsprung auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt einen gigantischen Wasserfall. Die Stadt war aus hellgrauen Stein erbaut und selbst die Zinnen waren kunstvoll verziert und über die Schlucht führte eine schwere Brücke. Die Stadt besass einen Aussenwall sowie eine innere Ummantellung und innerhalb dieser Ummantellung stand ein hoher Turm, dessen glatte Mauern bei Tageslicht sich in den Himmel zu schneiden schien.
Die Truppe gelangte zum Tor und als die Torwachen ihnen die Türe öffneten ritten sie zum Turm. Das feingeschnitze Tor aus dunklem Holz schien jedoch verschlossen und es schien auch niemand Notiz von ihrer Gegenwart zu nehmen. "Ich dachte es mir," sagte Truchses "Der alte Gauner hat sich also in seinem Palast verkrochen, aber wir werden schon irgendwie in das innere des Turmes gelangen." Sie banden ihre Pferde am Marktplatz fest und schritten zum Tempelplatz. An der großen Statue angelangt wurde ihnen plötzlich der Weg versperrt. Sie zogen ihre Waffen doch merkten Sie das sie überlistet worden waren. Eine der Wachen, ergriff das Wort "Im Namen des Königs seid ihr verhaftet. Legt eure Waffen nieder und folgt mir zum Palast." Doch die Wache konnte ihren Satz nicht zu Ende bringen, da plötzlich ein Schwall dunklen Blutes aus ihrem Mund strömmte. Verdutzt drehten sich die Wachen um, doch sie waren nicht
schnell genug, den im nächsten Moment wurden auch sie von Pfeilen getroffen und sanken so zu Boden. Aus allen Richtungen strömmte das Volk auf den Marktplatz. Sie jubelten dem jungen Truchses zu und begleitete dann die Scharr zum Palast hin. Mit vereinten Kräften rannten sie gegen das Tor an und schafften es schließlich das stählerene Schloss zu schleifen. Die verdutzten Wachen wurden schnell beseitigt und gemeinsam mit seinen Männer rannte Truchses eilig zur Halle des Königs.
Er stieß das Tor zur Halle auf, da stand er, Arechuin, der letzte König aus dem Blauhand Klan.
„Arechuin, Eure Zeit ist um!“ sprach Truchses.
Ohne ein Wort zu verlieren wanderte der König zu einem der in den Wänden eingelassenen Fenster und ließ seinen Blick über seine Stadt schweifen, dann unterbrach er das Schweigen;
„Nicht nur die meine, Truchses…“
„Ich werde dieses Land zu Wohlstand und Reichtum führen, alter Narr!“ entgegnete Truchses.
„Der Reichtum dieses Landes ist schon lange dahin, nicht in hundert Jahren könnt Ihr aus diesem Reich das machen, was es einst war… Ihr werdet versagen…“ flüsterte der König.
„Nein“ schrie Truchses wütend, „Ihr wart es, der versagt hat, Ihr habt mein Volk… Nein… Unser Volk ins verderben geführt!“
Der König lächelte.
„Entweder versteht Ihr nicht was ich euch sage oder Ihr seid absichtlich Ignorant.“ Spottete der König.
Truchses zog seine Klinge aus der Scheide und trat näher an den König heran.
„Ihr wollt wohl einen qualvollen Tod sterben, wie?“ spieh Truchses regelrecht heraus.

„Nein, Ihr begreift nur nicht… . Seht Euch um! Das Kaiserreich? Zerfallen… Das Ostreich? Gestürzt… Der Senat? Besteht nur noch aus machtgierigen und korrumptierenden Senatoren, ganz Nehrim versinkt im Chaos und Ihr seid gerade dabei, das letzte Königreich der Menschen auch noch zu spalten!“ sagte der König.

„Was Kümmern uns die Anderen? Was haben sie schon für unser Land getan? Nichts… Einerlei, König Arechuin, durch eure Verbrechen am Volke verurteile ich Euch hiermit zum Tode. Männer, legt Ihn in Ketten!“ schrie Truchses.
Einer der Soldaten ging auf den König zu, in der einen Hand Fesseln in der anderen sein Schwert, jederzeit bereit den König nieder zustechen.

Der König warf abwechselnd Truchses und dem Soldaten einen verzweifelten Blick zu, überlegte kurz und sprach auf den Fenstersims, bevor Truchses oder die Wache reagieren können war er schon verschwunden.
Dann, ein Aufschrei außerhalb des Palastes der dann von der Masse des Volkes getragen wurde. „Dieser alte Narr!“ keuchte Truchses und eilte aus dem Palast so
schnell wie ihn seine Beine trugen konnten. Dann sah er ihn, in einer großen roten Blutlache liegend.
Eine Menge hatte sich um seinen reglosen Körper gestellt. Truchses bahnte sich einen Weg durch die Masse und beugte sich über den reglosen Körper des alten Mannes. Die Augen waren offen und er atmete noch doch schien ihn das Leben aus dem Leibe zu strömen. Als er Truchses erblickte bildete sich ein spöttischer Blick und mit letzter Kraft sprach er: "Du hast dein Ziel nicht erreicht, Truchses, zwar magst du für ein Tag der Held sein, doch hast Du keine Ahnung von dem Schicksal das dieses Volk und ganz Ne'hrim ereilen wird… Ihr… werdet die Ersten sein… die Fallen, noch bevor sie kommen … und diese Welt in ihrem feurigen Kreuzzug durchziehen… wie eine Seuche um sie von ihrem Fleische zu reinigen, Ihr werdet von den Flammen verzehrt… die man zu kontrollieren glaubte. Diese Stadt wird brennen Truchses… Brennen!"

Und mit einem letzten kalten Lachen starb Er, Arechuin, der letzte König aus dem Blauhand Klan.
Truchses griff zu seiner Klinge und trennte den Kopf des Königs ab, dann stand er auf und schritt mit dem Kopf in der einen Hand, während ihm das Volk zujubelte, langsam zur zerstörten Pforte des Palastes.
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