https://sureai.net/forum/viewtopic.php?t=7231
So schwer ist die Deffinition nicht. Vom wissenschaftlichen Standpunkt ist Immersion die Verschiebung der Wahrnehmung aus der Realen Welt in eine Virtuelle Welt. Nicht mehr, nicht weniger. Ob man dabei einen, mehrere oder gar keine Charaktere steuert steht dabei nicht im Zentrum, ist nicht definiert und kann ich auch persönlich nicht bestätigen.
Gothic liest man im Bezug auf unsere Projekt oft - Aber wir haben nie gesagt, dass wir Gothic kopieren wollen. Ich kann dir viele Aspekte nennen wo sich unsere Projekte wesentlich von Gothic unterscheiden. Nicht falsch verstehen, ich habe Gothic gerne gespielt und es waren gute Spiele - Aber ich wurde z.B. von einem Morrowind mehr immersiert. Wir haben uns an vielen Facetten vieler Spiele orientiert, die uns gefallen haben. Gothic war da ein wichtiger Baustein, aber er bleibt auch einer von vielen. Heute, wo ich älter geworden bin, muss eine Story komplexere Konstellationen haben um mich zu packen als das damals bei Gothic der Fall war. Ich persönlich glaube nicht dass ein Spiel "konsumierbar" ist wenn die Zielgruppe nicht davon "immersiert" wird. Wie diese Immersion aussieht und wer davon angesprochen wird, ist eine andere Frage. Ich würde dem entgegnen, dass die Mehrheit der Spieler keine Immersion aufbauen kann, wenn die optische Hürde zu hoch ist, sprich die Grafik zu alt und damit die Hürden der Wahrnehmungsverschiebung zu groß. In der Hinsicht stimme ich dir aber zu: Die absolute Mehrheit der Käufer hat keine Toleranz für unzeitgemäße grafische Inszeniertung.
Und es ist auch klar - Nur weil es bisher so war, das wir diese Projekte gemacht haben - Wir haben sie gemacht, weil wir sie machen wollten. Enderal hat das Maximum aller Grenzen erreicht - Was unkommerziell ereichbar ist ebenso was man Entwicklern zumuten kann - Und ja, es gab auch Leute die im Laufe der Entwicklung in einen echten Burnout geraten sind. Deshalb gingen wir in den letzten 1-2 Jahren auch vieles anders an, egal ob Leute rumheulen weil wieder etwas später kommt. Es geht absolut an die Grenzen des Machbaren und das war das Ziel, so wie ein sportlicher Anreiz. Wenn ich mir den Verschleiß anschaue... Mhh... In dieser Form wird es so ein Projekt kein zweites Mal geben und wohl auch sehr, sehr selten etwas vergleichbares, weil der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht.
Rosarote Brille in dem Sinne, dass man, wie schon erwähnt, Kritikpunkte verschluckt und nur auf ppositive faktoren eingeht.
Desweiteren an dieser Stelle ein lautstöhnendes: "Arrrrg", denn ich wusste doch, dass mein Kommentar falsch aufgefasst werden könnte. Ich müsste gerade eigendlich noch ein bisschen BVWL lernen für die Vorabi-Klausur nacher, deswegen hier mal die Kurzversion:
Dein Teilkommentar war auf meinen Kommentar gerichtet, nicht der ganze Kommentar noch du selber.
Es ist eine allgemeine Gefühlsbeschreibung, die ich in letzter Zeit immer mehr hege.
Warum, wieso, weshalb wurde, wenn du genauer liest, schon durch unseren Werten Herrn und Meister Lord Danoeide erklärt.
HanSoloOne wrote: Durchgefallen!
"Immersion beschreibt den Eindruck, dass sich die Wahrnehmung der eigenen Person in der realen Welt vermindert und die Identifikation mit einer Person in der virtuellen Welt vergrößert. Hierbei kann beispielsweise die Art der Gestaltung der virtuellen Welt Einfluss auf die Ausprägung des Immersionseffektes nehmen, dieser wird im Regelfall durch eine fesselnde und anspruchsvoll gestaltete virtuelle Welt stärker ausfallen."
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Immersion ... it%C3%A4t)
Puh, das ist nicht so einfach.
Wikipedia ist wissenschaftlich keine Basis für einen Beleg, sondern man muss schon die Quellen prüfen - An dieser Stelle bist du unglücklicherweise an eine Formulierung und Definition geraten, die der Autor nicht mit einer Quelle belegt hat und die im internationalen Wikipediaartikel so auch nicht vorkommt, wo nur von "Präsenz" in der Spielwelt gesprochen wird (vermutlich ungünstig übersetzt). Tatsächlich ist die Definition von "Immersion" ziemlich kompliziert bzw. wir sind hier an einen sehr wechselseitig ausgelegten Begriff geraten, der in den Game Studies umstritten ist - Wie ein Modewort, dessen Bedeutung alle paar Jahre je nach Zeitgeist überdacht wird. Eine neuere Zusammenfassung bzw. versuchte einheitliche Definition von "Immersion" ist Immersion revisited von Jan-Noël Thon. Der hat nicht nur die Probleme der Definition angesprochen und vereinheitlicht, sondern Immersion auch in mehrere Wirkmechaniken aufgespalten. Und die Quelle ist auch mit entsprechenden Belegen geführt.
HanSoloOne wrote:Für mich z.B. ist eine Welt umso immersiver, je weniger statistische Werte angezeigt werden.
HanSoloOne wrote: Ich habe es u.a. herangezogen, weil es meinem Verständnis des Begriffs relativ nahe kommt.
Metanoeite wrote:Vom wissenschaftlichen Standpunkt ist Immersion die Verschiebung der Wahrnehmung aus der Realen Welt in eine Virtuelle Welt. Nicht mehr, nicht weniger. Ob man dabei einen, mehrere oder gar keine Charaktere steuert steht dabei nicht im Zentrum, ist nicht definiert und kann ich auch persönlich nicht bestätigen. Was war ich schon immersiert, wenn der dumme Gandhi in Civilization meine Civ zum Islam bekehrt und Atombomben auf mich wirft - Ohne einen bestimmten Charakter zu spielen, der wahrnehmbar wäre. Jeder hat "seine" Elemente, die ihn immersieren.
HanSoloOne wrote:Es ist doch auch selbstverständlich, dass kommerzielle Entwickler mit einem Millionenbudget ein Spiel entwickeln, das dem Massenmarkt entspricht. Insbesondere dem bedeutenden US-Markt. Alles andere wäre aus wirtschaftlicher Sicht wohl ziemlich dumm.....
Das impliziert, dass Spieler wie ich, die Wert auf die bereits genannte Immersion legen (worum es in einem RPG definitiv geht), von diesen Titeln enttäuscht werden. Ist ja auch nicht weiter schlimm, ich muss es weder kaufen noch spielen.
Die Ressourcen werden schlicht und ergreifend so eingesetzt, dass am Ende ein Durchschnittsprodukt herauskommt. Und der Durchschnitt ist nun mal eben ein 08/15-Produkt, das außer toller Technik nichts zu bieten hat.
Oder willst du mir allen Ernstes erzählen, die viel gelobte Story von Witcher 3 sei gut oder gar gut inszeniert? Durch Cutscenes? Das ist weder schwer, noch eine Kunst. Es verschlingt mit Sicherheit ein beachtliches Budget, keine Frage.
Das führt nur dazu, dass der Spieler aus dem Spielgeschehen heraus gerissen wird. Es ist nichts weiter als ein Film, der spielerische Elemente integriert hat. Somit wurde das Ziel völlig verfehlt.
Ein gutes Spiel bindet den Spieler mit ein, erzählt die Geschichte IN der Welt und nicht künstlich außerhalb durch vorgefertigte, filmisch wirkende Szenen.
Hast du schon mal Gothic gespielt? Dann weißt du ja, an welchem Werk sich selbst Bethesda orientierte. Sogar nach eigenem Bekunden....
Witcher 3 bot keinerlei Immersion, die komplette Spielwelt war, wie bereits beschrieben, eine einzige Hintergrundkulisse. Mag nett anzuschauen sein und auch gameplaytechnisch gut. Mehr aber auch nicht!
Insofern ist (und ich stelle hier wieder meine eigene Meinung in den Raum. Welche auch sonst?) Enderal definitiv das bessere RPG!
Ob du den Vergleich nun passend finden magst oder nicht.
HanSoloOne wrote:Die Landschaft in Witcher 3 ist ein generischer Einheitsbrei. Da könnte die Grafik noch so fotorealistisch und beeindruckend sein, die Landschaften sind es eben nicht. Es entscheidet doch das Design! Authentische, organisch wirkende Landschaften kann man mit einem sehr niedrigen Grafikniveau kreieren.
SarahAndreaRoyce wrote: Weswegen ich die immer wieder gehörten Vorwürfe, neuere RPGs wären "verdummt" (dumbed down) mittlerweile in die Schublade "Nostalgie" stecke.
Weswegen ich die immer wieder gehörten Vorwürfe, neuere RPGs wären "verdummt" (dumbed down) mittlerweile in die Schublade "Nostalgie" stecke.
Synthoras wrote:Was man natürlich als Schwachsinn abtuen kann da viele die besagten Spiele immer noch spielen...Weswegen ich die immer wieder gehörten Vorwürfe, neuere RPGs wären "verdummt" (dumbed down) mittlerweile in die Schublade "Nostalgie" stecke.
genau so lächerlich und subjektiv unreflektiert finde, wie das Gemecker über die Grafikqualität einer Mod, die auf einem fast 5 Jahre altem Spiel basiert...
Ich denke, das ist der entscheidene Satz der Diskussion. Das mag für dich gelten, aber nicht zwangsläufig für jeden anderen. Ich persönlich halte es z.B. auch eher mit einer allgemeineren Auffassung des Begriffes "Immersion" - ähnlich wie Metanoeite
Am wichtigsten für meine Immersion ist in einem Computerspiel in der Regel eine glaubwürdige und konsistente Spielwelt, die in sich logisch ist. Und für mich scheinen die Witcher Teile, die ich übrigens für hervorragende RPGs halte, in dieser Hinsicht recht gut zu sein.