Enderal Forgotten Stories Kritik

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Eliane
Grünschnabel
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Hallo an alle :) Warnung: es wird lang :lol:
ich wollte ein paar Gedanken zu Enderal loswerden, sowohl positive als auch negative Aspekte. Vorab: Ich vergesse gefühlt fünfhundertmal, dass Enderal eine kostenlose Total - Conversion ist, wo sehr sehr viel Arbeit dahintersteckt, die höchstwahrscheinlich nicht genügend entlohnt wurde. Von diesem Standpunkt aus gesehen, habe ich - so auf gut deutsch - "nichts zu meckern". Diese Total Conversion ist verdammt gut (das meine ich ernst, sonst würde ich nicht mehrere Spieldurchläufe spielen) und selbst wenn sie einen Preis hätte, würde Enderal sich trotzdem einreihen in der Liste meiner Lieblings - RPGs. Aber Enderal wäre halt nicht mein absolutes Liebling - RPG und warum, das würde ich gerne aus meiner (!) Sicht erläutern. Die folgende Bewertung bezieht sich also eher auf ein klassisches RPG als auf die Bewertung einer Mod - und das sollte bitte als Kompliment verstanden werden :)
Ach und: Das ist meine erste Kritik, die ich schreibe, also entschuldigt, wenn irgendetwas falsch rüberkommen sollte :oops:

So gut wie alles, was folgt, ist Spoiler, also:
[+] Spoiler
A)Pros:
A1) Es ist kostenlos
Da gibt es nicht viel zu sagen. So etwas gigantisches über Jahre Arbeit zustande zu bringen und dann ist es auch noch kostenlos. Einfach :thumbsup:
A2) Es ist schön
Sei es das Nordwindgebirge, das Herzland, Goldenforst, die Pulverwüste oder der Kristallwald: Manchmal bleibt man einfach stehen und schaut sich diese wunderschön gestaltete Mod an. Und dann sind schon mal schnell ne Viertelstunde im Real - Life vergangen. Dies natürlich besonders auch in Verbindung mit...
A3) Es hat einen tollen Soundtrack
Atmosphärischer geht es ja wohl kaum mehr. Dies sei besonders auch für die Unterstadt erwähnt. So gut wie jede Region hat ihr eigenes Thema, das zu 100% auf eben jene Region passt und ein bestimmtes Gefühl vermittelt. Der hinzugefügte Soundtrack für FS sowieso. Mission completed, Marvin Kopp, würde ich sagen, womit wir auch zu A4) kämen...
A4) Es hat phänomenale Synchronsprecher
Denn nicht nur den Soundtrack hat er drauf, sondern auch den Tharael. Und zwar so, dass ich gedacht habe, Tharaels Stimme würde von einem jahrelang im Synchronbuisness etablierten Schauspieler stammen. Irgendwo in einem Kommentar habe ich gelesen, dass Marvin Kopp zwar schon zwei Jahre lang Synchronsprechen gelernt hat, aber selbst dafür war das eine verdammt gute Leistung, insbesondere die emotionalen Stellen im Waisenhaus und am Ende.
Und das gilt natürlich nicht nur für ihn, sondern so gut wie für alle Sprecher. Ich kann mich jetzt nicht an einen oder eine erinnern, die fehl am Platz gewesen wäre. Wirklich :thumbsup:
A5) Es hat sprechende Briefe!
Na...oder so ähnlich jedenfalls :lol: Ganz toll fand ich das neue Feature in FS (ich kenne ja noch das "alte" Enderal von 2016), wo einige Briefe eine Sprachausgabe haben. Hat für mich deutlich mehr Tiefe in die Story gebracht und man hat Yeros Briefe auch nicht einfach so weggeklickt :lol:
A6) Es hat eine bessere Performance
...durch Steam meiner Meinung nach. Ich bin ja noch an die Nehrim Crashes gewöhnt (so gefühlt jede Minute :D ) und an das 2016 - er Enderal, wo es schon weniger war als in Nehrim. Aber jetzt!
Ich weiß, dass in den Steam Kommentaren die schlechte Performance kritisiert wird, aber ich kann das nicht behaupten. In den letzten, sagen wir mal, 10 Spielstunden ist Enderal vielleicht einmal abgestürzt. Meiner Meinung nach hat sich das wirklich verbessert.
A7) Es hat verschiedene Charaktere trotz einen (?) Autors
Als ich auf Youtube ein Interview mit Nicolas Lietzau gesehen habe, war ich erst ein bisschen verblüfft: Er meinte, er hat so 95% der Enderal - Dialoge geschrieben (korrigiert mich, wenn ich was falsches hier hin schreibe).
Das hätte ich nicht gedacht, schließlich hat Enderal so viele verschiedene Charaktere. Zwar war das depressiv leicht angehauchte Oberthema in so gut wie allen Quests vertreten, aber die Charaktere alleine schienen nicht vom selben Autor zu kommen. Das ist eine Kunst! Deswegen auch für den Nicolas Lietzau ein :thumbsup:
A8) Es hat süße Quests: Manfreds Vermächtnis
Folglich zu A7): Ich hätte erst recht nicht gedacht, dass diese wirklich zuckersüße (okay, da kommt die Frau in mir raus) Quest auch noch von demselben Autor stammt, der Charaktere wie Qalian oder Tharael geschrieben hat. Die Quest war für mich eine super Erholung zu der etwas herunterziehenden Hauptquest und hatte auch ein bisschen "Nehrim - Charakter" gehabt. Ich fand die Quest wirklich gelungen.
A9) Es hat sehr gute Features
Die sehr, sehr gute Rhalata- Quest oder die goldene Sichel: All das hat das Original - Enderal um einiges erweitert :thumbsup:
A10)Es hat Nehrim - Referenzen
...und zwar mehr als im 2016- er Enderal, wenn mich nicht alles täuscht. Kann auch sein, dass ich einige Dinge im Original übersehen habe, aber die Referenzen, die mir (sehr positiv!) als alter Nehrim - Fan aufgefallen sind:
- Bauernküste: Ist an sich eine reine Nehrim - Referenz. Das gibt es einmal den einen Mann, der Geld eintreiben will wie die Freunde von der "staatlichen Vermögungsbegrenzungsbehörde" an der Baldur - Brücke in Nehrim oder ein paar NPCs die, wenn man die Buchstaben einmal ein bisschen verdreht, "Narathzul" rauskriegt oder einer mit "Tyr..." anfängt. Kann natürlich auch Fehlinterpretation sein.
Oder das Paar, das sich beschwert, dass zu viele Ratten da sind und die Sache mit dem Löcher stopfen nicht funktioniert.
-Ark: Gabor Gaboff oder Porim seien da zu erwähnen
-Unterstadt: Die Bücher, die man häufig in Wohnbaracken findet, scheinen alle vom Tel' Imatath geschrieben worden zu sein und eins beinhaltet sogar Arkt. Alle, die ich bisher gefunden habe (und die mir jetzt eingefallen sind): Ein Gespräch mit einem Blinden, Ein seltsamer Freund, Mutterschmerz , Ordnung (?)
-Kurmais Höhle: Der nehrimesische Magier, der einen darauf anspricht, was mit dem Sternenschiff aus Anku passiert sein möge
ja...gute Frage eigentlich, womit wir auch schon zu den negativen Aspekten kommen

B) Cons:
B1) Es hat Nehrim - Referenzen, aber...
Sie stellen doch einen letztendlich nicht zufrieden. Was ist mit dem Sternenschiff aus Anku passiert? Haben sie die Sternenstadt erreicht und sind danach geflohen oder vorher abgestürzt? Wieso ist Käptn Blei nur noch ein Haufen Knochen? Warum ist Tealor plötzlich Seraph und nicht Paladin (die Sache mit der Zeitrechnung kann ich verstehen) ? Ist der Schattengott auf Enderal? Und vor allen Dingen: Wo ist eigentlich Arkt?
B2) Es hat teils zu schwere und zu lästige Gegner
Die Lehrbücher sind einfach zu teuer, die Punkte zu wenig, die Gegner zu schwer und zu lästig- der größte Knackpunkt an Enderal ist und bleibt das Balancing. Irgendwann werde ich blind durch die das Blitzlichtgewitter sämtlicher Magier und irgendwann kann man selbst die Meinung der CDU zu Wölfen verstehen, wenn das so weitergeht (Das war jetzt natürlich übertrieben und ich befürworte das auch nicht) Aber jeder Enderal - Spieler weiß es: Sobald das Wolfsgeheul ertönt, denkt man sich so: "Oh ne, nicht schon wieder! In den letzten fünf Minuten hatte ich doch schon fünf Rudel!"
B3) Es hat Sternchen zum Interpretieren
Während in Nehrim noch klar gekennzeichnet war, welches Gebiet man mit welchem Level am besten bestreiten sollte, hat man in Enderal Sternchen zum Über- und Unterschätzen. Natürlich hat man irgendwann ein Gefühl dafür, unhandlich ist es trotzdem.
B4) Es hat einen Vergessenen Tempel...mit 25 Schlüsseln
...wenn ich alle aufgesammelt habe. Und ja, ich habe diesen Schlüsseln einen größeren Sinn zugeordnet. Als Erkundungsdungeon war er ganz gut, aber die Schlüssel und die Steintafeln haben dem Dungeon einen größeren Sinn vermuten lassen, als es letztendlich der Fall gewesen war. Deswegen: ein bisschen enttäuschend.
B5) Es hat ein ganz, ganz großes Drama: Esmes Outfit
Nicht wirklich ein negativer Aspekt, aber komisch kommt es einem schon vor: Erst hatte Esme die, ich sag mal, "dichtere" Kleidung über die gesamte Quest an, was ja völlig ok war, dann habe ich die Quest vor kurzem mit einem anderen Char erneut gespielt und dann wechselte sie zwischen "nicht so dicht" und "dichterer" Kleidung, was auch noch ok gewesen wäre, dann gab es aber einen Extra - Dialog zur Kleidung, dann sehe ich den aktuellen Patchnotes, dass Esmes Outfit WIEDER geändert wurde... :?:
B6) Es hat keine Auflösung wegem dem Mörder
Ja, die "Träume der Toten" Quest...es war ein bisschen frustrierend.
Bevor FS released wurde, wurde bekannt gegeben, dass man den Mord um eine Person (sprich Lishari) aufdeckt und dass es ein Secret Ending gibt. Was habe ich gedacht? Man findet heraus, dass Sha'Rim der Mörder ist und schwupdiwups gibt es am Ende ein Secret Happy Ending. Bisschen naiv, ich weiß.
Ende vom Lied: Man weiß, dass es Sha'Rim ist, aber einem sind die Hände gebunden. Wenn man, bevor man zu Lishari hochgeht, vor ihrem Tod zu dem Wirt Ulfgur...irgendwas geht, sagt er einem, dass sie "ein hübsches Ding" ist, de facto muss der Wirt sie gesehen haben. Im Wort der Toten sieht man aber nur eine Aushilfe (hallo Marvin Kopp :lol: ) der behauptet, der Wirt sei unterwegs.
Wenn es ein Logikfehler ist, ok. Wenn das aber absichtlich eingebaut wurde, um zu zeigen, dass entweder das Wort der Toten nicht mehr richtig bei Lishari funktioniert hat oder Sha'Rim absichtlich etwas verändert hatte (wahrscheinlicher), dann erkläre ich meine Prophetin für strohdoof.
Anderer Punkt: Lishari hat Hinweise in dem Versteck entdeckt, die auf einen Entropisten hindeuten. Nach Fortführung dieser "Erinnerung" sollte Lishari zu dem Entschluss gekommen sein, dass es Kalim sein sollte- ein Typ, den der Prophet/die Prophetin gar nicht kennt und dann wollte Lishari einen total geheimnisvoll darüber in Kenntnis setzen, wo doch dieser Kalim im Emporium gar nicht anwesend war?
Und dann natürlich noch, dass man normalerweise nur die letzten Minuten der Erinnerung im Wort der Toten miterleben kann- nicht Erinnerungen, wo selbst Zeitsprünge dazwischen bestehen.
Vielleicht sollte alles darauf hindeuten, dass Sha'Rim das Wort der Toten oder uns oder Lisharis Erinnerungen manipuliert hat, alles schön und gut, ABER dem Propheten/ der Prophetin muss doch so etwas auffallen!
Es war halt - für mich - frustrierend zuzusehen, wie man alles vielleicht hätte verhindern können, aber es doch letztendlich auf dasselbe hinausläuft (vielleicht war das auch die "Moral" von der Geschicht?)
B7) Es hat ein nichtzufriedenstellendes, drittes Ende
Im Anschluss an B6) das Secret Ending, das mir überhaupt nicht, null, nada gefallen hat. Der Weg schon allein zu diesem Secret Ending ist ein bisschen umständlich und ich will das hier nicht näher erläutern, dafür gibt es genügend Foren - Beiträge. Ich habe gedacht, es hat mehr mit Entscheidungen zu tun, dass wir den Mörder aufdecken usw.
Das Ende selbst ist aus meiner(!) Sicht völlig willkürlich. Es hängt davon ab, wann du das Zeug trinkst und das wird ja nicht genau festgelegt. Kippt der Prophet/die Prophetin, sagen wir mal, vor der Sache mit der Stadt der tausend Fluten um, könnte Vyn von der Läuterung verschont werden, aber auch das hängt davon ab, ob das, was unser Lieblings - Qyraner sagt, wahr oder falsch ist.
Man weiß also- und das war gewollt- nicht, ob es jetzt real ist oder nicht. Und da ich Jespar nicht besonders mag (zum Glück bin ich mit der Meinung allein :) ), er aber die einzige Hetero- Variante für weibliche Chars ist, war das Ende für mich nicht besonders emotional.
Es gibt also drei - für mich- traurige Enden, wo eigentlich zumindest alle in der Nähe des Leuchtfeuers sterben. Auch das wieder ein bisschen frustierend.
B8) Es hat eine düstere Questreihe mit einem möglichen "Happy" - End, aber dafür Tharael als Statue
Die Rhalata- Questreihe war mit Abstand die beste Questreihe in Enderal, alles war stimmig, total spannend und bis aufs Detail perfekt geschriebene Charaktere :thumbsup:
Noch besser waren die verschiedenen Enden mit sogar einem Happy End. Wenn man das so nennen will. Denn Tharael hat zwar seinen postending dialouge, wo er auch überlegt, ob er irgendwie helfen kann, aber er tut letztendlich...nichts. Garnichts. Er steht da nur herum - in meinem Fall in meinem Haus - und bewegt sich genau gar nicht. Wie dem auch sei, auf jeden Fall baust du doch irgendwann irgendeine Art von Beziehung zu einer Person auf, die in deinem Haus lebt, oder? Wenn ich mich noch recht entsinnen kann, spricht der gute Tharael immer noch in Höflichkeitsform zu uns.
Zu diesem Zeitpunkt war ich ja noch guter Hoffnung eines guten Endes. Umso bitterer und sinnloser dann, dass man Tharael vor dem Selbstmord rettet, wenn er doch eh entweder durch die Nehrimesen oder letztendlich durch die Läuterung stirbt.
Ich glaube persönlich auch, dass Dijaam und Tharael gute Alternativen zu den zwei Hauptromanzen gewesen wären, wobei bei beiden eine Romanze erst nach Beendigung derer Quests möglich gewesen wäre (sprich Dijaam kommt zurück, Tharael wird offener gegenüber neues). Aber das ist keine Kritik, denn ich kann es auch verstehen, dass man es bei den zwei Hauptromanzen belassen wollte, zumal alles andere wieder zu viel Arbeit gewesen wäre.

Die Hauptstory war für mich ein Mischmasch aus pros und cons und letztendlich ein bisschen zu negativ gegenüber der Menschheit. Schade, dass es kein Happy End gab, aber doch irgendwie belehrend , besonders, wenn man auf ein paar Charaktere im Real - Life guckt :shock:
Puh, und somit bin ich fertig. Danke fürs Durchlesen :) und Entschuldigung, falls einige Worte beleidigend gewesen sein sollten, das war nicht meine Absicht :oops: .
Gegenargumente erwünscht! Wobei einiges auch meine persönliche Meinung ist und (zum Glück) da jeder verschieden darauf reagiert.
Alles in allem ist Enderal sehr gelungen und gehört zu meinen Favoriten :) Großes Lob an das gesamte SureAI - Team :thumbsup:
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