[SPOILER] Der Hintergrund des Maincharacters

Moderatoren: Moderatoren, Nehrim Team

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Joschiking
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Schreitet wohl,

nachdem ich nun Enderal durchgespielt habe, bin ich erstmal ziemlich überwältigt. Es gibt soviele Dinge, die ich zu dem Spiel sagen möchte, doch versuche ich mich jetzt mal mit der Maincharakter (MC) aka man selbst zu beschränken. Denn wie in den meisten Spielen dreht sich alles um den MC, und besonders ist das auch hier der Fall. Ich versuche jetzt alles zu rekapitulieren und zu ordnen, was ich in den letzten Tagen erfahren habe. Es können Fehler auftreten und ich hoffe ihr berichtigt mich, falls ich mich irgendwo falsch erinnert habe.

Version vom 18.07.2016:
Vorgeschichte,
Anscheinend ist die Familie des MC gestorben, als er noch ein Kind war. Er glaubt selbst, dass es Männer mit den Masken waren und ich denke, dass die Familie im Feuer umgekommen sind. In der ersten Traumvision sagt uns Vati, dass der MC die Krippe seines Schwesterchen angesteckt hätte und wir Schuld an dem Tod seiner Familie sind. Außerdem reden er von Knusprig gebratenem Fleisch und sowieso Fleisch und Feuer spielen in diesem Spiel eine große rolle. Wichtig hierbei ist, dass der MC diesen Traum hat, bevor er, wie wir am ende erfahren, stirbt und zum Fleischlosen wird. Sein Unterbewusstsein gibt sich selbst für den Tod seiner Familie die Schuld. Ich denke, dass ist ein wichtiges Detail, das mMn für das Verständnis der Story grundlegend sein könnte.

Aber warum gibt sich der MC selbst die Schuld?
Die drei brennenden Kreuze in der Traumvision und die Tatsache, dass uns der MC sagt, dass die "Bastarde vom Schöpfertempel" seine Familie umgebracht hätten, lassen drauf schließen dass alle drei Familienmitglieder am Kreuz verbrannt worden wegen einer Sünde. Doch was war die Sünde? Die Sünde ist ein (vermutlich) uneheliches Kind von der Mutter des MC. Man erfährt dies in einer Traumvision im Laufe des Spiels. Außerdem lässt sich ein Zettel in der Traumvision finden, indem jemand (vermutlich der Vater) schreibt, dass er gesündigt hat und auch seine Frau und sein Kind gesündigt haben. Der Schöpfer solle ihnen vergeben. Es gibt also eine Bastard in der Familie. Die Frage ist jetzt, WER ist der Bastard? Er selbst, oder doch seine Schwester? Bisher bin ich davon ausgegangen, dass er der Bastard ist, doch es sprechen viele Indizien dafür, dass es seine Schwester ist. Gründe, warum seine Schwester der Bastard ist:

1. Sie wird mit Schwesterchen angesprochen, und im ersten Traum sagt uns Vati, der er ihre Krippe angezündet hat. UNsere Schwester ist also wahrscheinlich unsere kleine Schwester. Und als kleine Schwester ist sie eher der Bastard, denn wer würde denn noch ein Kind bekommen wollen, wenn die Frau betrogen und der Mann labile Züge gezeigt hat. Daher ist die schester als jüngeres Kind eher der Bastard.
2. Die kleine Schwester wurde vom Schöpfertempel verbrannt und nicht der MC. Wenn die Familie verbrannt wird unter anderem wegen der Sünde eines Unehelichen Kindes, macht es nur Sinn, auch den Bastard zu verbrennen. In diesem Fall wäre das halt seine Schwester
3. Ist jetzt mehr ein Inidiz: Während der Szene, wo uns offenbart wird, dass die Mutter ein unehliches Kind bekommt, dürfen wir nciht zuschauen. Das erinnert stark daran, wie man als Kind ins Zimmer geschickt wird, weil die Eltern streiten wollen und man nur die lauten Stimmen des Gesprächs durch die Zimmertür hört. Man kann es aber auch interpretieren als erinnerungsfetzen des Bastards, als er noch im Bauch der Mutter schlummerte... was wieder dafür sprechen würde, dass der MC selbst der Bastard ist

OK, aber die Frage wäre noch, warum es dem MC an Anerkennung mangel seitens des Vaters, wenn doch (wahrscheinlich) seine Schwester der Bastard war. Ich denke hier, dass der Vati in den Traumvisionen schon ziewmlich so dargestellt wird, wie er auch in realität war. Zwar konnte man auch sagen, dass Vati eine Manifestion seiner Schuldgefühle und selbstvorwürfe darstellen, doch finde ich ersteres plausibler. Vati war wahrscheinlich ein hoch religioser und dadurch (weil Schöpferreligion ziemlich strikt ist) labiler Zeitgenosse, der mies gelaunt war und schnell anderen Vorwürfe machte. Allein die Tatsache, dass ein bastard in der Familie ist, hat die ganze Stimmung gekippt. Vati hat dem MC keine Beachtung geschenkt (fehlende Anerkennung!!!), und stattdessen sich über seine Frau und Tochter die ganze Zeit aufgeregt. Und wahrscheinlich auch über den MC, immer wenn er was falsch gemacht hat. Dies wird angedeutet in dem Buch "Die Kunst des Fleisches" in der Traumvision. Auch zeigt sich hier seine Machtlosigkeit und selbstvorwürfe.

Ihr müsst sehen, dass MC über Jahre damit leben musste als kleines Kind. Er hat es nicht geschafft, seiner Schwester beizustehen, obwohl sie es doch so viel schwerer als Bastard hatte. Vielleicht wurde er immer gezüchtigt, sobald er mit ihr erwischt wurde, und hatte daher bald keine Lust mehr, mit seiner Schwester zu spielen und die Konsequenzen davon im Kauf zu nehmen (siehe parallelen zu Jespar unten im Text). Im Nachhinein bereut er es, dass er nicht für sie da war. Auch hat er es nicht geschafft, die Situation zu deeskalieren und der Familie beizustehen und zu helfen. Der grund hierfür ist seine Machtlosigkeit als Kind. Und so kommt es, wie es kommen musste und die Situation rund um den Bastard eskaliert. Wahrscheinlich hat Vati in seinem religiösen Wahn sich selbst und seine Frau und Tochter angezeigt beim Schöpfertempel. Die Notiz am Schrein in der Traumvision lässt es vemuten. Daraufhin wurden alle drei abgeführt vom Schöpfertempel und er musste mitansehen, wie seine Familie wegen einer "Sünde" sterben musste. Und seine Schwester konnte ja noch nichtmal was dafür (Verbindung zur Story von Ryneus). Machtlosigkeit und Reue überschwemmen ihn, als Fleisch verbrannt wird, was früher mal seine Familie war. Vielleicht ist sein Unterbewusstsein der Meinung, dass er auch im Feuer hätte sterben sollen.

Ja, schlussendlich macht alles so am meisten Sinn, mMn.

Er wird Fleischlos:
Wie wir wissen wird der MC und sein Freund schließlich entdeckt und sie werden beide getötet. So wird der MC zum Fleischlosem. Der schwarze Wächter sagt uns, dass man unerfülltes Verlangen in sich tragen muss, um wiederbelebt zu werden. Bei Tealor ist es das Verlangen, als bedeutende Persönlichkeit in die Chroniken einzugehen. Bei den MC ist es das Verlangen ein Held/anerkannt zu sein und Menschen zu retten. Dies beruht auf seine Vorgeschichte. Sein Vater verwehrte ihm die Anerkennung und das Schicksal seiner Familie prägte ihn in seine Machtlosigkeit und Verlangen, es wieder gut zu machen. Als Fleischloser wird er nun endlich das alles Realität, was er sich erhofft hat. Er wird als Prophet anerkannt und geschätzt und erlangt durch unglaubliches Talent heldenhafte Stärke, mit der er die Menschheit vor den Flammen der Läuterung retten kann und das schaffen kann, wo er bei seiner Familie versagt hat.

Das alles ist zu gut um wahr zu sein. Ich denke, dass der ganze Story des Games eigentlich nur die letzte große Vision von unserem MC kurz bevor seinem ertrinken ist, damit sein Geist in Ruhe sterben kann. Dieser Gedanke wurde auch schon im Spiel angesprochen und ich greife ihn hier auf, weil sich so noch etliche losen Fäden der Story sehr elegant zusammenfügen lassen. Falls euch der Gedanke missfällt, seht es auch als die beste Eventualität durch die wir als Spieler durch die verschleierte Frau geführt werden. Die Eventualität, wo alles zum guten läuft und wir die Menschen treffen, die nötig sind, um unsere eigene Vergangenheit zu bewältigen

Jespar und Calia:
Gehen wir davon aus, dass alles nur seine letzte Vision ist, sind auch alle Charakter Spiegelbilder seinen Bewusstseins. Besonderes Augenmerk können wir hier auf Calia und Jespar liegen, da beide große parallelen zum MC aufweisen.

Calia verkörpert in gewisser weise seinen Selbsthass. Calia hat wahrscheinlich das Dorf abgefackelt, das sie aufgenommen hat und muss ständig gegen ihren inneren Dämonen ankämpfen. Calias Vorgeschichte repräsentiert die Vorwürfe die sich der MC wegen seiner Familie macht und Calias Dämon repräsentiert den Selbsthass, den der MC verspürt. Calia hat keine Kontrolle über die unbändige macht des Dämon und der MC hat keine Kontrolle, weil er unendlich schwach ist. Das perfekte Gegenteil führt zum gleichen Ergebnis. Außerdem entspricht Calias Status als Hexe, das Bastard dasein seiner schwester. Wodurch starke Gefühle enstehen, weil der MC bei Calia das richtig machen will, was er bei seiner Schwester falsch gemacht hat.
Später akzeptiert Calia ihren Dämonen und setzt somit auch ein Zeichen für den MC. Dies ist ein bedeutender Schritt für den MC, um seine Vergangenheit zu bewältigen.

Jespar hat auch seine Familie verloren und auch wegen den Prinzipien des Vaters. Jespar fragt sich, warum sein Vater doch an seine dummen Prinzipien der Gerechtigkeit feshalten musste. Das hatte zu seinem Untergang und dem der Familie geführt. Genau wie bei dem MC, wo die religiösen Prinzipien des Vatis zum Untergang der Familie geführt haben.Während Calia sich also mit seinem Selbsthass beschäftigt, ist Jespar sinnbild dafür, dass die Schuld bei den anderen liegt und man selbst keine Verantwortung übernehmen will. Doch im Laufe der Story offenbart uns Jespar, dass er seine Frau hat sterben lassen (genau wie der MC seine Familie) und dass er sich nicht richtig um seine Schwester gekümmert hat nach dem Schicksalschlag mit der Familie, obwohl sie es doch viel schwerer getroffen hat. Und zwar, weil er kein Bock auf den Stress hatte, sich mit den emotionalen Problemen seiner Schwester zu befassen. Das hört sich jetzt komisch an, ist aber sehr menschlich und nachvollziehbar. Genauso hat der MC wahrscheinlich als Kind gezögert seiner Schwester beizustehen (Den Grund dafür hab ich ja schon oben erklärt).
Jespar sieht am Ende seine Fehler ein und ist nun bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen. Auch sieht er ein, dass der größte Egoist der größte Altruist ist, da uns nichts glücklicher macht, als anderen zu helfen und einer guten Sache zu dienen. Ein schöner Gedanke, der den MC auf das bevorstehende Ende vorbereitet.

Nun ja, kommen wir zum Ryneus:
Die Story von Ryneus zeigt uns eine Traumwelt, was hätte sein können, wenn Vati den Bastard als sein Kind geliebt hätte. Es ist kein Zufall das Ryneus Ziehvater so wie Vati aussieht. Die Missbildungen von Ryneus stehen hier, mal wieder, für das Bastard dasein der Schwesters. Doch hier, in der Traumwelt, kümmert sich der Vater fürsorglich um Ryneus und alles wird gut. Ryneus hat eine prächtige Kindheit. Doch gegen Ende der Quest zerbricht die Traumwelt und so schlimm es auch ist, dem MC wird klar, dass er sich nicht mit "Was wäre wenn" rumschlagen kann. Er kann das Wesen des gegenübers ändern. So schlimm das auch ist. (Die Story von Ryneus war wirklich herzergreifend und so verdammt real, außerdem werde ich diesen Part noch in Zukunft ausbauen)

Was ich sagen will ist, dass die Schicksale der Nebencharactere häufig sehr starke parallelen zu der Kindheit und Person des MCs aufweisen. In vielerlei hinsicht und ich konnte das Thema hiermit echt nur anreißen.

Und nun zum ende:
Ich möchte hiermit nur kurz die zwei Entscheidungen erläutern in Hinsicht auf die Persönlichkeit des MCs,
1. Man opfert sich selbst auf um die Menschheit zu retten
Hier verwirklicht der MC das Bedürfnis, das er solange in sich getragen hat. Er hat es nicht geschafft, seine Familie vor den Flammen zu retten, doch nun schaffter er es die gesamte Menschheit vor den Flammen der Läuterung zu retten. Der MC ist mächtig und heldenhaft und rettet die, die ihm lieb sind. Endlich het seine Reue ein Ende. UM dem ganzen die Krone aufzusetzen stirbt der MC auch noch. Wie er nach seinem Unterbewusstsein eigentlich schon damals hätte tun sollen, als seine gesamte Familie gestorben ist. ER wird vom Feuer verzehrt wie seine Eltern und Schwester und kann nun endlich neben ihnen begraben liegen, wie man es in der letzten Sequenz des Spieles sehen kann (sie die 4 Grabsteine). der MC stirbt in Frieden.
2. Man wird der Gott einer neuen Welt (Death note referenz gewollt ;) )
Hier schließt der MC mit seiner Vergangenheit ab. Für das größere wohl erkennt er, dass er sein persönliches Bedürfnis nach Heldentum und Aufopferung loslassen muss. Stattdessen wird er Anerkennung ernten und als Gott die neue Welt formen. Hier hat sich sein Bedürfnis nach Anerkennung im größten Maße erfüllt. Außerdem stellt sich die Frage, inwiefern eine solch gelenkte Gesellschaft überhaupt möglich ist... Ich persönlich bevorzuge Option 1

OK, ich ende das alles mal hier. Ich hoffe, dass einige Leute erkennen konnten, welche grundlegende Bedeutung die Hintergrundgeschichte vom Hauptcharakter für die Story hat.
Zuletzt geändert von Joschiking am 18.07.2016 15:23, insgesamt 9-mal geändert.
Stampfer
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Holy Shit, Hut ab für diese Analyse. Das macht alles verdammt viel Sinn und passt zu den Fragen, die die Devs im Forum gestellt haben. Auch Hut ab vor SureAI. :o

Ich hätte die Spoiler-Warnung ernster nehmen sollen, als ich es tat. Damit öffnet sich ja nochmal ein Spiel nach dem Spiel. Die haben wirklich nicht untertrieben, als sie sagten: "Enderal soll zum Nachdenken anregen.".

Nur eine Sache noch: Die beiden werden am Anfang auf dem Schiff doch nicht einfach so entdeckt. Die schwarze Frau muss ja real sein, sofern er sich das nicht auch eingebildet hat. Und hier befinden wir uns noch auf dem Zeitstreifen vor seinem Tod.

Edit: Ich hab das jetzt nochmal etwas überdacht. Und dieser psychologische Blick auf diverse Charaktere und Events klingt erstmal sehr stimmig. Aber ich denke die Geschehnisse als reine Einbildung abzutun ist zu viel des Guten. Wie bereits erwähnt sollte die schwarze Frau real sein. Auch befinden wir uns hier im Nachfolgerspiel zu Nehrim, also in einem Phantasy-Universum, in dem vieles denkbar ist. Und wie sollte sich diese Story denn für den Nachfolge-Titel auswirken *falls* eventuell einer käme? Wäre Enderal dann zerstört oder gäb es das Land immer noch? Vielleicht wäre es sinnvoller doch davon auszugehen, dass wir ein Geist sind, dass aber viele Ereignisse durch diese unterbewusste, schlecht verarbeitete Kindheit des Protagonisten mitbestimmt werden - z.B. den eigenen Vater in Ryneus Vater zu erkennen.

Jasper wurde vielleicht auch etwas over-analyzed. Ich denke da sind die Schnittmengen geringer als mit Calia (das mit dem Verbrennen ist bei ihr wirklich schon eine starke Parallele).
Auch ist mir nicht klar, was der alte Mann dann repräsentieren soll. Der wurde neulich auch in einer Dev-Frage angeschnitten.

Kann mich jetzt aber auch total verrannt haben. Egal, ist auch Zeit fürs Bett für mich nun.
Joschiking
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Vielen Dank für die Antwort.
Zu den Anmerkungen:

1. Die verschleierte Frau ist auch real. Sie stellt ja sowas wie das Schicksal aber auch alle Eventualitäten dar. Am Tag seines Todes ist ihm das Schicksal erschienen und hat ihm sein Schicksal offenbart. Gefunden zu werden und dann daraufhin zu sterben. Nicht jedem beschert das Schicksal ein tolles Abenteuer, manche haben auch einfach nur Pech. Nach seinem Tod gibt er dem Schicksal noch mal eine andere Bedeutung. Jetzt ist sie nicht mehr ganz so willkürlich, sondern hilft plötzlich größtenteils dem MC bei seiner Reise. Endlich verhält sich das Schicksal so, wie es dem MC gebührt, seiner Meinung nach.

2. Der alte mann... Jo, den hatte ich ganz vergessen. Leider bin ich ein Mensch und erinnere mich nur wage, aber er war doch der mit den Holzfiguren und ähnlich wie der schwarze Wächter überdauert er die Zeit.Ich kann jetzt mehr zu der Bedeutung der Holzfiguren was sagen, aber ich denke, auch die ist ganz interessant. Die Holzfiguren zeigen ja Mensche in Momenten ihres Lebens. Zum Beispiel beim Essen mit der Familie. Sie repräsentieren also die Menschen und offenbaren auch ihr Schicksal. Denn Holz ist verdammt dazu, ja verdammt dazu zu verbrennen. Genauso wie die Menschen in der Läuterung. Ein etwas radikale Sichtweise, aber wenn man davon ausgeht, dass der MC seine Familie in den Flammen verloren hat, kann man so eine fatalistische Vorstellung schon sehr gut nachvollziehen.

3. Es soll ja noch Nachfolgespiele geben...
Tja, das Problem hierbei ist, dass entweder Ark zerstört wird oder die Läuterung geschieht. Zwei vollkommen verschiedene Ausgänge für das Schicksal der Welt. Ich denke, dass irgendwie stimmig zu verbauen und es so zu machen, dass das nächste Spiel nicht auch um die Läuterung zu geht, ist verdammt schwer bis unmoglich. Ich denke, falls es eine Nachfolgespiel gibt, dann wird dieses Spiel wahrscheinlich das vorherige Spiel schön überspringen oder halt ganz anders aufgebaut sein. Übrigens, auch hoffe ich zwar auf eine neues Spiel, aber davon ausgehen kann man ja leider nicht, oder Sureai Team? (BITTE BITTE BITTE :) )

4. Jespar
Ich habe ihn nicht über analysiert, sondern ihn nicht zu Ende analysiert. Über Jespar allein könnte ich jetzt Romane schreiben, da er mein Lieblings-Charakter ist, aber mache ich jetzt mal nicht, weil ich schon wieder zu lange an diesem Post hier sitze.

Zu guter Letzt:
Eigentlich ist es nicht so wichtig, ob alles nur die letzte Vision des MCs ist oder halt wirklich so stattgefunden hat. Wichtig ist nur meiner Meinung nach zu bemerken, wie sehr doch alle Ereignisse um ihn herum mit ihm zu tun haben und auch teilweise seine Vergangenheit und Probleme widerspiegeln.
GemdarMortis
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An sich erst einmal Respekt für die Analyse.
Aber auch ich stimme dir nur halb zu. Klar am Ende bleiben alle Theorien eben nur das. Theorien. Dennoch glaube ich nicht das alles nach dem Intro nur eine Art Traum vor dem Tod ist bzw. ich glaube nicht einmal dass die Autoren sich dort final festlegen. Ich kenne das selbst wenn man Geschichten schreibt die verschieden interpretiert werden können dann hat man zwar als Autor einen Favoriten nach dessen Regeln man auch schreibt aber man legt sich nicht absolut fest den gerade das macht den Spaß bei solchen Geschichten aus. Das Spekulieren über verschiedene mögliche "Wahrheiten". Dabei bin ich mir allerdings darüber im klaren, dass das gar nicht der Fall sein muss. Jeder schreibt wie er will und ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen.
Ok bis hierhin habe ich dir noch nicht widersprochen. Ich denke, dass die Möglichkeit des "Traums" durchaus bewusst möglich gemacht wurde aber ich kann mir nur vorstellen, dass die Autoren diese Alternative als Favoriten gewählt haben. Und dafür fallen mir auf die schnelle zwei gründe ein.
Ersten: Die favorisierte Möglichkeit ist zwar selten die offensichtlichste aber eben so selten das exakte Gegenteil. Und um mit hoher Wahrscheinlichkeit der Favorit zu sein wurde diese Möglichkeit einfach zu kurz und unauffällig mal eben am Rande erwähnt. Zumindest für mein Gefühl.
Zweitens: Die Bedeutung die diese Geschichte für die Autoren hat. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass dies der Nachfolger zu anderen Geschichten ist und dass diese Welt so unglaublich detailliert Gestaltet ist mit Vorgeschichte, Mythologie, Geographie verschiedenen Völkern etc und pipapo wäre es am Ende zu "wenig" wenn sich alles nur als Traum herausstellt. Klar der Detailgrad kann auch daher kommen das der MC sich erinnert an die Welt vor seinem Tod aber dennoch. Der Stolz auf diese Welt, auf diese Geschichte, den Plot mit den Hohen (der mich nebenbei bemerkt in angenehmster Weise stark an Mass Effect und die Reaper erinnert), und die Gefühlvollen Charaktere würde es zumindest mir schwer machen alles am Ende nur ein Traum sein zu lassen.

Ich denke du hast völlig recht wenn du sagst die Parallelen zwischen dem Inneren des MC und den äußeren Umständen ist kein Zufall. Ich halte das ganze allerdings eher für eine Art Übergeordnete Symbolik die die Autoren hineingeschrieben haben um ihrer Geschichte die Aussagekraft und die Gänsehaut verursachenden Mysterie Fassette zu geben die sie nun mal hat. Ähnlich wie großartige Geschichten von David Lynsch, Steven King oder ähnliche Autoren die bewusst mit Parallelen, und dem fließenden Übergang von Real zu Irreal, von Erinnerung und Emotionen zu Realität und äußeren Umständen spielen. Eben um sowohl sich selbst als auch uns Fans diese breite Masse an Spekulationsmöglichkeiten über Aussage, Bedeutung, und "Wahrheit" der Geschichte zu bieten.
Kurz gesagt: Ich glaube nicht daran das in dieser Geschichte die eine "Wahrheit" existiert. Ich glaube nicht mal die Autoren würden von sich behaupten sie würden die "wahre" Geschichte kennen. Ich glaube diese Geschichte ist ein "Meer der Eventualitäten" und das macht ein Meisterwerk zum Meisterwerk.
GemdarMortis
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Wobei ich gerade den Abschnitt mit der Prüfung und Aixon nochmal in nem Lets play gesehen habe und verdammt es könnte etwas dran sein. Egal ich bleibe bei meinem letzten Statement. Das widerspricht der Theorie ja nicht. :lol:
Onida
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Meine subjektive Sicht der Dinge

Ich sehe den MC nicht als schwach an, im Gegenteil, er/sie hat den willen aufgebracht sich dem Tod zu wiedersetzen. Woran der MC aber zu knabbern hat, sind der Verlust der Familie und die Ohnmacht etwas dagegen zu tun. Ich wusste schon, als ich an Land gespült wurde, das ich tot bin. (Hatte vor dem Seil holen auf dem Schiff gespeichert und mir die Unterwasser Szene 10 mal angeschaut, in der wird erwähnt das man tot ist.) Für mich galt es also zu klären, warum lebe ich noch.

Zu Jespar und Calia, beide zwei seiten, der selben Medaille.

Der Alte Mann, ich sehe ihn als Beobachter und Hüter, er beschützt das Wort der Toten. Anscheinend kommt er aus einer anderen Dimension, da sein Haus ja einfach verschwindet.

Bei der verschleierten Frau würde ich sagen, sie ist eine der Schicksalsboten und spielt Zünglein an der Waage :D

Was den Einfluß des MC auf die Story an geht, da liegt man bis zum Finale in Ketten, ich habe weder die Möglichkeit dem Orden nicht bei zu treten, noch die Chance den Mörder von Lishara dingfest zu machen, hätte man den Mord aufklären können, wäre die Läuterung nicht in die Hose gegangen ;D Oder die Hohen hätten sich eine andere Lösung einfallen lassen müssen.


Abschließend kann ich nur sagen, ein super Spiel, danke sureAI :thumbsup:
Cyrenne
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Sehr schön. Rätselraten hat teils ein Ende :D Danke für die ausführliche Analyse Caleb.

Drei Mysterien bleiben noch, meine Frage wäre, mit aller info aus Enderal, ohne Vorgeschichte zu kennen, sollte es möglich sein, nur durch vermutungen und info in-Game herauszufinden wer die drei sind?
irmi
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Vielen Dank für eure Analysen und danke an Caleb für die weiterführenden Erläuterungen!

Ich hab viele Gedankengänge zur Thematik, tu mich aber immer ein bisschen schwer, diese in nachvollziehbare schriftliche Form zu bringen. Deswegen beschränke ich mich mal auf einen Unterpunkt.

Die verschleierte Frau hatte ich ursprünglich als Schicksalsbotin eingestuft (ich glaube mich zu erinnern, dass in Nehrim gesagt wird, dass die dort getötete Schicksalsbotin Sarantha ersetzt werden würde), inzwischen denke ich aber, dass sie mehr/anders ist. Sie tritt z.B. auf, wenn ein Schicksalsfaden durchtrennt wird: Beim PC auf dem Schiff, und auch bei Jespars (vorübergehenden) Tod durch Adila. Ob sie bei Tealor und Calia direkt ihre Hand im Spiel hatte, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar (wahrscheinlich hab ichs einfach vergessen, ob das irgendwo erwähnt wurde).

Liest hier jemand Pratchett? Für mich hat sie Ähnlichkeit mit der "Lady" (Lady Luck). Die, die nicht beim Namen genannt werden darf, weil sie sich sonst gegen einen wendet. Aus welchem Grund sie sich einmischt? Vielleicht ist ihr in ihrer Sphäre einfach langweilig (die Götter bei Pratchett sind einfach gestrickt :P ) oder sie hat mit den Hohen ein Hühnchen zu rupfen. Ich glaub, ich muss mal die entsprechenden Saves rauskramen und mir das nochmal ansehen (wenn ich mal viel Zeit habe). Meine Einschätzung liegt vielleicht auch daran, dass ich persönlich mit dem Gedanken an Vorherbestimmung etc. nicht viel anfangen kann.

Und mir ist aufgefallen, dass der PC, Jespar und Calia noch etwas gemeinsam haben. Alle drei wurden vom Tod zurückgeholt. Aber macht das die Begleiter automatisch zu Fleischlosen? Ich denke nicht, aber zu was macht es sie dann? Zumindest definitiv zu Personen, die aus dem Schicksalsgewebe herausgeschnitten wurden. Personen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen können.

Zum Alten Mann und zu Aixon? *kopfkratz*

@Caleb: Ich hab versucht, das zu suchen, aber ich finde es einfach nicht. Ist die Stimme aus dem Off in Nehrim die gleiche Sprecherin wie die verschleierte Frau?
Joschiking
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Sehr schön, Ich wusste doch, dass an meiner Theorie was dran ist ^^
Zum Familienschicksal:
Also wurde seine Familie ans kreuz genagelt und verbrannt. Aber warum haben das die "Bastarde vom Schöpfertempel" gemacht? Inwiefern hat die Familie gesündigt, dass sie sterben mussten. Hat das was mit dem unehelichen Kind/Bastard zu tun. Aber falls er selbst der Bastard ist, dann warum hat man ihn nicht auch verbrannt... konnte er fliehen? Aufjedenfall interessant und macht auch sinn. Familie verbrannt wegen unehelichem Kind und vielleicht noch mehr, doch der Bastard konnte fliehen. Das würde mich auch ziemlich hart belasten...

Wie unterscheidet einen freien Mensch von einem Sklaven? ... nach deiner Andeutung nach wäre es wohl so, dass eine freier Mensch Ziellos oder zumindest reflektierter in seinen zielen ist, denn jemand der wie ein Fleischloser ist, ist eine Sklave seines Verlangen. Interessanter Gedanke.

Hast aufjedenfall schön teilweise meine Theorie bestätigt und ausgebaut. Danke dafür. Bist leider nicht auf die These eingegangen, dass Jespar, Calia und Jeynus Abbilder von dem MC sind. Der Teil und das alles eine letzte Vision eines ertrinkenden Mannes ist, ist dann wohl "Fan-Theorie" ;) Und ich weiß echt nicht, was daran so schlimm ist, dass die ganze Story nur eine letzter Traum ist. Ich möchte so nicht die Story "abstempeln" sondern viel mehr eine zweite tiefgreifendere Ebene schaffe, die die Geschehnisse auf Enderal mehr in Verbindung bringt mit dem MC und seinem inneren Konflikt.

Ich ess jetzt erstmal, vielleicht schreibe ich ja später weiter ;)
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Joschiking hat geschrieben:
Zum Familienschicksal:
Also wurde seine Familie ans kreuz genagelt und verbrannt. Aber warum haben das die "Bastarde vom Schöpfertempel" gemacht? Inwiefern hat die Familie gesündigt, dass sie sterben mussten. Hat das was mit dem unehelichen Kind/Bastard zu tun.
Ich denke, du hast Nehrim nicht gespielt, oder? Ostian liegt im Südreich, das von der harten (sehr harten, wir reden hier von Hexenverbrennungs-harten, spanische-Inquisitions-harten) Hand des Schöpfertempels regiert wurde, bis das durch die Ereignisse in Nehrim geändert wurde. Ich erinnere mich nicht mehr, ob es eine Stellung zu Sex ausserhalb der Ehe gab (vermutlich), aber der Leitfaden des Schöpfertempels war, dass jeder Mensch von Grund auf ein unglaublich schlimmer Sünder war, der sich nur durch absolut regelkonformes Verhalten, Selbstentsagung und viele viele Gebete rehabilitieren konnte.

Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Familie z.B. wegen einer haltlosen Anschuldigung oder (vermeintlicher) Blasphemie etc. gekreuzigt wurde, sieh auch Konstatin Funkenschlags Erzählung zu der Allee aus gekreuzigten Menschen in Ostian.

Im weiteren denke ich auch, dass Vati, paranoid und gewalttätig wie er dargestellt wird, den Ehebruch seiner Frau fälschlich vermutet, sich aber natürlich entsprechend gegenüber dem PC verhält, was seine Spuren hinterlässt.
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