Mein (sehr) persönliches Feedback

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Rayeth
Bettler
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Der Forentitel enthält "Kritik" daher nehme ich an, dass das hier der richtige Platz ist.
Der ganze Beitrag ist wohl vermutlich nur für interessierte Entwickler von Enderal von Belang, dennoch werd ich das ganze als Spoiler markieren, damit niemandem der zufällig reinstolpert etwas geschieht. (Ich rede auch über die Story, von vorn bis hinten!)


Persönliches Rating des Spieles: 9 von 10
Das wäre die Kurzfassung. Falls jemand wirklich noch Feedback für die Zukunft sucht, darf er/sie gerne weiterlesen. Eigentlich schreibe ich das hier hauptsächlich, um den Entwicklern von Enderal zu Gratulieren, meine Dankbarkeit zu zeigen und, falls es denn geschätzt/gewünscht ist, Kritik und Feedback anzugeben sodass zukünftige Projekte noch besser werden können.

Ich werde Enderal allerdings wie einen AAA-Titel eines größeren Teams (wie zB Bethesda-Skyrim) bewerten und nicht wie eine Mod! Das hat sich dieses Projekt hier redlich verdient!
Natürlich ist sehr sehr vieles davon subjektiv und das auch mit Absicht. Ich bin kein Kritiker, kein bezahlter Profi und arbeite für niemanden der sich durch positive oder negative Kritik irgendetwas erhofft daher kann ich wahrheitsgemäß meine Eindrücke hier wiedergeben. Ab hier nun eine detaillierte, persönliche Analyse meiner 60 Stunden Enderal-Erfahrung.
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Erster Punkt: Die Story
In einem RPG/Adventure Spiel ist der wohl wichtigste Stützpfeiler die Story. Egal ob next-gen Technik oder old-school-Erfahrung, ohne eine gute Story nützt es alles nichts. In Enderal hatte ich von Anfang an das Bedürfnis die Hauptquest immer weiter und weiter und weiter zu spielen, so spannend war es für mich. Auch wenn mich das ganze irgendwann an MassEffect erinnerte, die Story, die Charaktere und die Quests verloren nie an Attraktivität. Zwar hätte ich mir gewünscht dass man nach der Hauptquest noch weiterspielen kann (Ein wahnsinnig wichtiger Punkt für mich persönlich) hinterließ das Ende (Flucht in die Sternenstadt) keinen so starken bitteren Nachgeschmack von sinnloser Arbeit wie beim zuvor erwähnten MassEffect, wo ich drei Spiele lang für etwas gekämpft hatte und dann mit einer 10-sekündigen Videosequenz belohnt wurde. Es wurde recht schnell klar, dass es nach der Hauptquest nichts mehr geben würde, woran/worin man weiterspielen könnte.
Für mich persönlich der größte Minuspunkt, jedoch ist die Story und vor allem deren Umsetzung so extrem gut gelungen, dass es dem Spielspaß nicht besonders geschadet hat. Schade ist, dass ich persönlich jetzt keinerlei Motivation mehr habe ein früheres Save zu laden um weiterzuspielen oder neu anzufangen, da ohnehin alles vernichtet wird.
Als Autor von Fantasyromanen ziehe ich jedoch den Hut vor den wirklich talentierten Schreibern dieser Story, welche meinen persönlichen Traum, die Story eines Spiels zu schreiben, beeindruckend umgesetzt haben. Geschmäcker sind verschieden, ich hätte mir ein "guteres" Ende gewünscht, die Story selbst jedoch ist "ultra-deluxe".

Zweiter Punkt: Die Spielwelt
Während mir Skyrim immer zwar schön aber leer erschien, so erschien mir Enderal wie eine Welt, die tatsächlich lebt, die Hintergründe hat und in der Personen leben. Die grafische Gestaltung von Lichteffekten bis hin zu "Clutter" wie man es so schön nennt, ist einfach nur gelungen. Ganz ehrlich, mir fällt keine Kritik ein die ich an diesem Punkt anbringen könnte. Es wirkt realistisch, dreidimensional und lebendig. Jedoch...
Zur Gestaltung der Welt als Spielwelt selbst jedoch fiel mir auf, dass extrem viele Gebiete leblos bzw ausgelöscht, verseucht, tot oder anderweitig entvölkert sind und das erweckte in mir das Gefühl welches ich schon in TwoWorlds 1 hatte: Je weiter die Story fortschreitet umso leerer wird das Land. Das dies der Story "zuschulden" kommt ist natürlich klar und mir ist auch klar, dass lebende Dörfer und Städte eine enorme Arbeit für die Entwickler sind, dennoch hätte ich mir mehr als eine einzige große Stadt erhofft.
Da die Wertung auf einen AAA-Titel abgestimmt ist, erwähne ich das hier. Der riesige und überwiegende Pluspunkt ist jedoch die Varietät der Landschaft. Von Gletschern bis hin zur Wüste ist jedes Gebiet einzigartig, interessant und optisch extrem beeindruckend!

Dritter Punkt: Deutsches Spiel -> Deutsches Voiceacting... Für mich oft ein Albtraum, Enderal als strahlender Retter
Meine Spiele sind allesamt auf Englisch eingestellt da die deutsche Übersetzung meist grauenhaft ist. (Skyrim wirkt, als hätten sie nur 3 Sprecher für das ganze Spiel gecastet)
Enderal ist jedoch eine Offenbarung, eine... Läuterung, was das angeht. Ehrlich, wo habt ihr dermaßen talentierte Sprecher her?! DIe Charaktere erschienen mir bisher in noch keinem Spiel so lebhaft, real und voller Emotionen und Motivationen!
Ein enormes Lob an euer Sprecher-Team!
Als RPG/Adventure-Fan kenne ich sehr sehr viele AAA-Titel, Mods, Remakes, Indigames und so weiter, doch keines dieser Spiele kann mit diesem Voiceacting mithalten!

Vierter Punkt: Die Technik
Der einzige Grund, warum es nicht 10/10 werden konnte, war die technische Umsetzung des Spieles. An dieser Stelle erneut die Erinnerung: Ich bewerte Enderal wie ein AAA-Spiel! Daher, da es zu extrem vielen Abstürzen während des Spieles kam, konnte ich für mich persönlich keine bessere Wertung herausholen. Würde ich es jedoch als Mod oder Total Conversion bewerten, gäbe es keine angemessene Skala. Ich weis, dass meine Wertung nichts bedeutet oder zu sagen hat, es sollte lediglich als Referenz dienen und meinen Eindruck kurz Zusammenfassen!
Wären die Abstürze, welche vor allem bei Ladebildschirmen und "Cutscenes" auftraten nicht, dann wäre Enderal wohl das Spiel des Jahrzehntes und mir ist sehr wohl klar, dass ein Indi-Team kein fehlerfreies Spiel abliefern kann und dass vermutlich 90% der Fehler auf Skyrims wackelige Engine zurückzuführen sind. Vor allem bei gescripteten Szenen wie längeren Gesprächen traten außerdem öfters "Dead End" Situationen auf, wo einfach nichts mehr passierte. Neustarten oder einen Quicksave laden löste allerdings die meisten dieser Probleme, sodass ich zumindest die Story durchspielen und meine extreme Neugier auf deren Ende befriedigen konnte obwohl ich ungefähr fünfzehn Mal laden musste bis der Numinos zerstört wurde, weil ich auf der falschen Stelle stand, oder ich in den Sonnentempel zurückkehren konnte, weil das Spiel beim Teleportieren mehrfach abstürzte.
Oft konzentriert man sich ja dann bei technischen Aspekten nur auf die Bugs, doch die sind nicht der Grund warum ich es als eigenen Punkt anschreibe.
Es sind ebenjene Cutscenes, Dialoge und gescriptete Situationen, welche besonders hervorgehoben werden sollten. Von der Introsequenz bis hin zum großen Finale, jede Situation, jedes Ereignis wurde hervorragend in Szene gesetzt. Etwas, dass Skyrim selbst beinahe vollständig ingorierte!
Von der technischen Seite her also einmalige Arbeit so viele Ereignisse, Quest-Aufgaben und Dialoge so ansprechend, visuell und spannend umzusetzen!

Abschließende Bemerkungen
Enderal, für mich ein gratis-AAA Spiel, ist erstaunlich. Sowohl das Spiel selbst als auch sein Entstehen. Es gab für mich zwar Stolpersteine doch das hinderte mich nicht daran, dass Spiel in vollen Zügen zu genießen.
An dieser Stelle noch einmal ein gewaltiges Danke! (Als Referenzwert: ich habe mir noch niemals die Mühe gemacht ein Spiel auf diese Weise zu bewerten oder den Entwicklern etwas zu schreiben und ich besitze ca 200 Spiele, davon die meisten RPG oder Adventure-Spiele.)
Eine Spende ist natürlich als Dankeschön eher gern gesehen als ein so gewaltiger Textblock, doch ich bezahle auch meinen Benzin und mag weder den Tankwart noch das Produkt und mein Kontostand ist meist nur Zweistellig. Ob euch das etwas Wert ist oder nicht überlasse ich euch doch diesmal habe ich mich dazu entschieden mich persönlich zu Bedanken und wenn der nächste Zahlschein wieder eintrifft bedanke ich mich auch "materiell".

In diesem Sinne wünsche ich noch viel Erfolg bei euren zukünftigen Plänen und hoffe, bald mehr von SureAI zu sehen!
Xagul
Schattengott
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Bei der Technik Abzüge zu machen ergibt keinen Sinn: Das Problem liegt ausschließlich an der Engine und die ist schon von Bethesda lausig programmiert geliefert worden. Da das alles hard-coded ist, kann man da als Modder nichts tun. Insofern greift deine Spieleentwickler-Bewertung nicht, den die Jungs hatten einfach keine Möglichkeit zur Einflussnahme. Die Alternative wäre gewesen, die Engine nicht so zu fordern, aber das wäre dann Quark auf sub-vanilla-Niveau gewesen und dann hätte deine Wertung noch ganz anders ausgesehen.
Rayeth
Bettler
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Sehr interessant, dass das als einziges hängengeblieben ist.
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Das macht es vielleicht etwas klarer:
[...] und mir ist sehr wohl klar, dass ein Indi-Team kein fehlerfreies Spiel abliefern kann und dass vermutlich 90% der Fehler auf Skyrims wackelige Engine zurückzuführen sind.
[...] obwohl ich ungefähr fünfzehn Mal laden musste bis der Numinos zerstört wurde, weil ich auf der falschen Stelle stand, oder ich nicht in den Sonnentempel zurückkehren konnte, weil das Spiel beim Teleportieren mehrfach abstürzte.
Ich werde Enderal allerdings wie einen AAA-Titel [...] bewerten.
Würde ich es jedoch als Mod oder Total Conversion bewerten, gäbe es keine angemessene Skala.
Erläuterung zu Letzterem: Als Mod bewertet wäre es eine 200 von 10, was keine Wertung ist. (Meine Meinung)

Ich erläutere das nur, weil schon der erste Kommentar zeigt, dass meine eigentliche Aussage wohl nicht durchkommt.
Xagul
Schattengott
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Rayeth hat geschrieben:
Sehr interessant, dass das als einziges hängengeblieben ist.
Was heißt hängengeblieben? Es ist für mich der einzige Punkt, den ich für streitbar halte, während ich beim Rest zustimmen kann.
Denn auch wenn du die genannten Einlassungen machst: Du kannst nicht etwas bewerten, was der Bewertete nicht beeinflussen kann. Stichwort Validität von Evaluationen. Ich meinte es eher so: Auch wenn du die genannten Maßstäbe anlegst (meines Erachtens zurecht), dann müsste man aber dennoch an diesem Punkt eine Ausnahme machen.
Oder man benennt es um in "Technische Umsetzung", dann müssten aber vermutlich noch mehr Faktoren in die Kategorie einfließen.
Johanneskodo
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Ich finde das Argument dass die technischen Schwierigkeiten nicht mit zu bewerten sind weil die Entwickler keinen Einfluss auf die Engine haben irgendwie ein zweischneidiges Schwert.

Dann könnte man genauso alle Dinge die die Entwickler nicht selbst entwickelt haben (generelles Kampfsystem, alles was mit der Engine zusammenhängt oder von Skyrim genutzt wurde) nicht mit anrechnen.

Ist halt die Frage ob man nur die Bereiche bewertet die die Entwickler zu verantworten haben (Story, Quests, Welt) oder das Gesamterlebnis.
Rayeth
Bettler
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Dem Gedankengang muss ich wiederum zustimmen. Sry, ich schreib nicht ohne Grund ungern in Foren, ich tendiere dazu überzureagieren und Standpunkte unklar auszudrücken...

Man muss allerdings bedenken, dass es sich um eine subjektive Wertung handelt. Der Punkt, der vielleicht von mir unklar dargestellt wurde, ist, dass die vielen häufigen Abstürze das Spielerlebnis beeinflussen.
Die Frage ist, in wieweit man diese Dinge hätte vermeiden können. Die Engine ist sicherlich keine besonders gute um mehr als extrem vereinfachte Operationen auszuführen. (Das höchste der Gefühle für Bethesda war vermutlich der Flug auf den Drachen...)
Also, während ich die einfallsreichen und kreativen Lösungen durchaus schätze und befürworte scheint es manchmal einfach so als hätte man versucht einen Palast auf dem Fundament einer Gartenhütte zu bauen und vielleicht wäre es manchmal besser gewesen Abzüge zugunsten von Stabilität zu machen.
Im Nachhinein betrachtet bin ich allerdings froh dass es so ist, wie es ist. Vermutlich hätte es sonnst wohl so geendet wie Skyrim, ein Spiel mit 120% Potential dessen Content um 80% gekürzt wurde, weil es nicht so ganz funktioniert hat. (zB Fahrende Pferdekarren, welche ja eigentlich fahren sollten oder ein dynamischer Bürgerkrieg der einfach ausgelassen wurde)

Aber das alles, da stimme ich zu, darf man eigentlich nicht mit der gleichen Gewichtung in die Wertung nehmen.
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Dennoch bleibt es für mich eine 9 von 10, da jetzt, nach einiger Zeit des "wieder runter kommens" nach dem extrem spannenden Ende sich das Gefühl eingestellt hat, welches schon bei unzähligen Spielen ohne die Möglichkeit des Free Roaming nach dem Ende bei mir Einzug gehalten hat.
Das ist natürlich nichts rationales oder messbares aber ich sagte ja, es ist eine persönliche Wertung. Also, die Technik außer Acht gelassen und die Brillanz der Story in allen Ehren: Ich hätte mir gewünscht danach noch weiterspielen zu können.
Aldon
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Dein Lob für die Vertonung ist berechtigt und wohl verdient. Aber ich finde du tust einigen anderen Spielen unrecht. Ich finde z. B. Witcher 3 oder Mass Effect 3 toll deutsch vertont und das du ausgerechnet Skyrim anführst in unfair, da das ja nun wirklich der Gipfel (Talsohle) der Lausigkeit war. Sicher sind die englischen Vertonungen oft besser, wenn es englische Spiele sind, aber z. B. Gothic II oder deutsche Adventure sind großartig vertont. Auch mag ich die englische Sprache für Mittelalterfantasy nicht, weil Ammis glauben, wenn sie den Typen irisch oder schottisch klingen lassen ist das voll die Zeitreise im Kopf (und für die Usaner ist es das wohl auch), aber bei Mittelaterfantasy sehe ich fränkische Höfe und sächsiche Things im Kopf und da passt nun mal kein Englisch.
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